Marzahn-Hellersdorf liegt im Nordosten Berlins und ist vor allem für seine weiträumigen Plattenbausiedlungen bekannt. Doch der Bezirk ist weit mehr als das Klischee von der grauen Platte. Hier finden sich die Gärten der Welt mit dem größten chinesischen Garten Europas, das mittelalterliche Angerdorf Alt-Marzahn, ein klassizistisches Schloss und mit dem Wuhletal eine der längsten Grünflächen der Stadt.
Zwischen DDR-Geschichte, russlanddeutscher Einwanderung und modernen Neubauquartieren hat sich hier ein Bezirk mit eigenem Charakter entwickelt, der heute wieder wächst und sich spürbar wandelt. Wir haben 31 Fakten über Marzahn-Hellersdorf zusammengetragen. Jeder Fakt trägt am Ende eine Nummer, die per Klick zur passenden Quelle springt, deren genaue Adresse sich dort per Mauszeiger anzeigen lässt.
Größe, Lage und Bevölkerung
1. Rund 283.000 Einwohner
Am 31. Dezember 2024 lebten in Marzahn-Hellersdorf 282.847 Menschen. Damit zählt der Bezirk zu den einwohnerschwächeren der zwölf Berliner Bezirke und liegt im hinteren Drittel. Trotzdem wächst die Bevölkerung seit Jahren wieder deutlich an, nachdem sie in den 1990er Jahren stark zurückgegangen war.1
2. 61,8 Quadratkilometer Fläche
Der Bezirk erstreckt sich über eine Fläche von 61,8 Quadratkilometern und liegt damit flächenmäßig im Mittelfeld der Berliner Bezirke, deutlich kleiner als Treptow-Köpenick oder Pankow, aber größer als Mitte oder Neukölln. Marzahn-Hellersdorf grenzt im Osten direkt an das Land Brandenburg.2
3. 4.577 Einwohner pro Quadratkilometer
Aus Einwohnerzahl und Fläche ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von rund 4.577 Einwohnern je Quadratkilometer. Dieser Wert liegt im Berliner Mittelfeld und spiegelt die Mischung aus dicht bebauten Großsiedlungen im Norden und lockeren Einfamilienhausgebieten im Süden des Bezirks wider.3
4. 2001 aus zwei Bezirken entstanden
In seiner heutigen Form besteht Marzahn-Hellersdorf erst seit dem 1. Januar 2001. Im Zuge der Berliner Bezirksgebietsreform wurden die bis dahin eigenständigen Bezirke Marzahn (gegründet 1979) und Hellersdorf (gegründet 1986) zu einem gemeinsamen Bezirk zusammengelegt.4
5. Eine der größten Plattenbausiedlungen Europas
Marzahn-Hellersdorf ist geprägt von den weiträumigen Neubaugebieten der 1970er und 1980er Jahre. Zwischen 1976 und 1987 entstanden hier über 62.000 Wohnungen, das war das größte Wohnungsbauprojekt der DDR und zugleich die größte zusammenhängende Plattenbausiedlung Deutschlands.5
6. Durchschnittsalter von 43,4 Jahren
Das Durchschnittsalter im Bezirk lag Ende 2024 bei 43,4 Jahren. Damit liegt Marzahn-Hellersdorf etwa im Berliner Durchschnitt. Die Bevölkerung altert spürbar, da viele Menschen, die in den 1980er Jahren in die neuen Wohnungen einzogen, heute zur älteren Generation gehören.6
7. Zentrum der Russlanddeutschen
Rund 30 Prozent der Einwohner haben einen Migrationshintergrund. Eine prägende Gruppe sind die russlanddeutschen Spätaussiedler, von denen seit den 1990er Jahren etwa 30.000 nach Marzahn-Hellersdorf zogen. Russische Supermärkte, zweisprachige Schulen und eine russisch-orthodoxe Kirche gehören seither zum Bild des Bezirks.7
8. Fünf Ortsteile, Marzahn am größten
Der Bezirk gliedert sich in fünf Ortsteile: Marzahn, Hellersdorf, Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf. Mit rund 119.500 Einwohnern ist Marzahn der mit Abstand bevölkerungsreichste Ortsteil, während Kaulsdorf mit etwa 19.700 Einwohnern der kleinste ist.8
Wahrzeichen und Geschichte
9. Größter chinesischer Garten Europas
Die Gärten der Welt sind das bekannteste Wahrzeichen des Bezirks. Herzstück ist der Chinesische Garten, der mit rund 27.000 Quadratmetern als der größte seiner Art in ganz Europa gilt. Insgesamt versammelt die Anlage über zwanzig Themen- und Ländergärten auf einem weitläufigen Parkgelände.9
10. Schloss Biesdorf von 1868
Das Schloss Biesdorf wurde 1868 als klassizistische Turmvilla nach Plänen des Architekten Heino Schmieden errichtet. Später gehörte es der Industriellenfamilie Siemens. Nach einem Brand 1945 verfiel das Gebäude, wurde aber 2015 und 2016 aufwendig saniert und beherbergt heute ein Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum.10
11. Die erste Platte 1977
Am 8. Juli 1977 wurde im damaligen Neubaugebiet Marzahn die erste Platte gesetzt, am 18. Dezember 1977 zogen die ersten Mieter ein. In nur 15 Jahren entstand so das größte Neubaugebiet der DDR, ein Symbol für das Versprechen, die Wohnungsfrage als soziales Problem bis 1990 zu lösen.11
12. Das Angerdorf Alt-Marzahn
Mitten zwischen den Hochhäusern liegt mit Alt-Marzahn ein altes Angerdorf, dessen Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort um 1300 als Morczane. Heute steht das Dorfensemble mit Dorfkirche und Bockwindmühle unter Denkmalschutz und wurde ab 1982 rekonstruiert.12
13. Neugotische Dorfkirche von Stüler
Die evangelische Dorfkirche Marzahn ist ein neugotischer Backsteinbau, der zwischen 1869 und 1871 nach einem Entwurf des bekannten Architekten Friedrich August Stüler errichtet wurde. Die Kirche besitzt einen spätrenaissancezeitlichen Taufstein und eine bemerkenswerte Akustik, weshalb dort regelmäßig Konzerte stattfinden.13
14. Seilbahn und Kienberg seit der IGA 2017
Zur Internationalen Gartenausstellung 2017 entstand eine Seilbahn, die auf einer Länge von rund 1,5 Kilometern über den Kienberg führt. Von den Gondeln aus reicht der Blick aus bis zu 35 Metern Höhe über das Wuhletal. Der 102 Meter hohe Kienberg ist mit dem Wolkenhain als Aussichtspunkt eine der höchsten Erhebungen Berlins.14
Wirtschaft und Kultur
15. Berlins größtes Industriegebiet
Der CleanTech Business Park in Marzahn ist mit rund 90 Hektar das größte zusammenhängende Industriegebiet Berlins. Hier sollen sich vor allem Unternehmen aus den Bereichen umweltfreundliche Energien, nachhaltige Mobilität und Kreislaufwirtschaft ansiedeln. Betrieben wird der Standort von der landeseigenen WISTA Management GmbH.15
16. Zukunftsort auf 300 Hektar
Über den eigentlichen Industriepark hinaus umfasst der Zukunftsort CleanTech Marzahn ein Areal von rund 300 Hektar, das für eine ressourcenschonende Wirtschaft entwickelt wird. Der Standort gehört zu den offiziellen Zukunftsorten Berlins und soll dem Bezirk langfristig neue Arbeitsplätze in der Industrie bringen.16
17. Europas größtes Kinderfreizeitzentrum
In der Wuhlheide an der Bezirksgrenze liegt das FEZ-Berlin, nach eigenen Angaben das größte gemeinnützige Kinder-, Jugend- und Familienzentrum Europas. Auf rund 13.000 Quadratmetern Innen- und 100.000 Quadratmetern Außenfläche zählt es jährlich etwa 850.000 Besucher.17
18. Günstiges Leben im Bezirk
Marzahn-Hellersdorf gilt als einer der preiswerteren Bezirke Berlins, was sich nicht nur bei den Mieten, sondern auch im Alltag bemerkbar macht. Wer wissen will, wie sich Wohnen, Energie und tägliche Ausgaben hier zusammensetzen, findet eine Übersicht in unseren Lebenshaltungskosten für den Bezirk.18
Natur und Freizeit
19. Erholungspark seit 1987
Die Gärten der Welt gehen auf den Erholungspark Marzahn zurück, der 1987 zur 750-Jahr-Feier Berlins eröffnet wurde. Seither ist die Anlage stetig gewachsen und bietet heute auf mehreren Hektar neben den Themengärten auch weite Wiesen, Blumenbeete und Spazierwege als grüne Oase im dicht bebauten Norden des Bezirks.19
20. Das Wuhletal als grünes Rückgrat
Das Wuhletal gilt als eine der längsten Grünflächen Berlins. Der kleine Fluss Wuhle entspringt nördlich der Stadtgrenze bei Ahrensfelde und mündet im Süden bei Köpenick in die Spree. Auf seinem Weg durchzieht er eine ausgedehnte Wiesen- und Flussauenlandschaft, in der mehr als 260 Pflanzenarten gedeihen.20
21. 16 Kilometer Wuhletalweg
Parallel zur Wuhle verläuft der Wuhletalweg, der auf rund 16 Kilometern vom Eiche-Park in Ahrensfelde bis zur Mündung in die Spree in Köpenick führt. Er verbindet Marzahn-Hellersdorf mit dem Nachbarbezirk Köpenick und gehört zu den beliebtesten Rad- und Wanderwegen im Berliner Osten.21
Wohnen und Kosten
22. Mit die günstigsten Mieten Berlins
Marzahn-Hellersdorf gehört zu den günstigsten Bezirken Berlins, wenn es um Mieten geht. Vor allem in den Plattenbau-Ortsteilen Marzahn und Hellersdorf liegen die Quadratmeterpreise deutlich unter dem Berliner Durchschnitt, was den Bezirk gerade für Familien und Wohnungssuchende mit kleinerem Budget attraktiv macht.22
23. Sicherheit und Alltag im Blick
Zum Wohnen gehört auch das Thema Sicherheit, das in einem Bezirk mit großen Wohnsiedlungen oft besonders aufmerksam beobachtet wird. Wie sich die Lage in Marzahn-Hellersdorf tatsächlich darstellt und welche Entwicklungen die Zahlen zeigen, haben wir in unserer Kriminalitätsstatistik für den Bezirk aufbereitet.23
Verkehr und Anbindung
24. Die U5 durchquert den ganzen Bezirk
Die U-Bahn-Linie U5 ist die einzige U-Bahn-Linie, die durch den gesamten Bezirk Marzahn-Hellersdorf führt. Sie verbindet den Endbahnhof Hönow am östlichen Stadtrand über mehrere Stationen im Bezirk mit dem Berliner Hauptbahnhof und ist mit 22,4 Kilometern eine der längsten Linien des Netzes.24
25. Östlichster Punkt des U-Bahn-Netzes
Der Bahnhof Hönow markiert den östlichsten Punkt des gesamten Berliner U-Bahn-Netzes. Die Verlängerung der damaligen Linie E bis Hönow wurde Anfang der 1980er Jahre beschlossen und 1989 in Betrieb genommen. Direkt an der Stadtgrenze gelegen, bindet sie den äußersten Osten des Bezirks an die Innenstadt an.25
Was sich in den nächsten Jahren verändert
26. 1.600 neue Wohnungen im Georg-Knorr-Park
Mit dem Projekt Konnekt Berlin entsteht im Georg-Knorr-Park ein großes neues Quartier mit rund 1.600 Wohnungen und etwa 22.000 Quadratmetern Gewerbefläche. Der Bau des ersten Abschnitts startete im Oktober 2025. Es zählt zu den größten Bauvorhaben, die den Bezirk in den kommenden Jahren verändern werden.26
27. 444 Mietwohnungen an der Jan-Petersen-Straße
An der Jan-Petersen-Straße planen die Investoren Greystar und Ten Brinke rund 444 neue Mietwohnungen auf einem etwa 8.000 Quadratmeter großen Grundstück. Der Baustart ist für 2026 vorgesehen, die Fertigstellung bis 2028. Das Projekt steht beispielhaft für die anhaltende Neubautätigkeit im Bezirk.27
28. Neue Wohnungen am Theaterplatz
Am Theaterplatz entstehen 167 neue Mietwohnungen auf einem rund 5.300 Quadratmeter großen Grundstück. Der Bau begann Ende 2024, die Fertigstellung ist für das zweite Quartal 2026 geplant. Solche kleineren Quartiere verdichten den Bezirk schrittweise und schaffen zusätzlichen Wohnraum in zentraler Lage.28
29. Straßenbahn nach Mahlsdorf in Planung
Das Tramnetz im Bezirk soll weiter wachsen. Für die Neubaustrecke nach Mahlsdorf reichte die BVG im November 2024 den Antrag zur Einleitung des Planfeststellungsverfahrens ein. Das Verfahren dürfte rund zwei Jahre dauern, sodass ein Baubeginn frühestens Ende 2026 oder Anfang 2027 möglich erscheint.29
30. Neue Tramlinie 18 nach Friedrichshain
Seit Dezember 2024 verbindet die neue Straßenbahnlinie 18 den Bezirk von der Riesaer Straße über Springpfuhl bis nach Friedrichshain. Die zusätzliche Verbindung in die Innenstadt ist Teil des langfristigen Ausbaus des Berliner Straßenbahnnetzes, von dem Marzahn-Hellersdorf in den kommenden Jahren weiter profitieren soll.30
31. Fast 292.000 Einwohner bis 2040
Laut der Bevölkerungsprognose der Senatsverwaltung soll die Einwohnerzahl von Marzahn-Hellersdorf bis 2040 um rund 9.000 auf knapp 292.000 Menschen steigen. Treiber ist vor allem der intensive Wohnungsneubau. Während die Zahl der Kinder leicht sinkt, wächst besonders die Gruppe der Hochbetagten ab 80 Jahren deutlich.31